Von Wilmersdorf nach Zehlendorf

1923 war die Geburtsjahr der Waldorfpädagogik in Berlin. Mit staatlicher Genehmigung konnten kleine Gruppen von Kindern bis zur vierten Jahrgangsstufe in wechselnden Privatwohnungen, amtlich als "Privatzirkel“ bezeichnet, unterrichtet werden.

1928 wurde dann die Rudolf Steiner Schule Berlin in einem Hinterhaus der Genthiner Strasse, Berlin Mitte, als erste Berliner Waldorfschule gegründet. Bereits im Dezember des ersten Schuljahres konnten die 56 Kinder einer ersten und einer kombinierten 2./3./4. Klasse in ein frei gewordenes Gebäude in der Kreuzberger Großbeerenstrasse umziehen. Schrittweise wurden die Schulstufen ausgebaut. Eine Oberstufe wurde 1933 eingerichtet.

In den folgenden Jahren prägte die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus die junge Waldorfschulbewegung. Noch im Jahre 1933 schlossen sich acht deutsche Waldorfschulen zum Bund der Waldorfschulen in den Gebäuden der Rudolf Steiner Schule zusammen, um sich gemeinsam dem wachsenden Druck stellen zu können. Insbesondere die Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte war dem Regime ein Dorn im Auge. Nach schmerzhafter Diskussion entschied sich die Eurythmistin Lola Jaerschky, die Schule zu verlassen, um als sogenannte „Halbjüdin“ die Schule nicht zu belasten.

1934 zog die Schule in die Charlottenburger Berliner Straße, in der Nähe des heutigen Ernst-Reuter-Platzes um. 1938 wurde auf Druck der nationalsozialistischen Verwaltung die Entscheidung getroffen, die Schule aufzulösen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schule 418 Schülerinnen und Schüler.

1948 fand die zweite Gründungsphase statt, durch die Trennung der Stadt in Ost und West wesentlich erschwert. Ohne Genehmigung der Schulbehörden wurde 1949 auf dem Grundstück an der Clayallee in zwei ehemaligen Wehrmachtsgebäuden der Unterricht für fünf Klassen wieder aufgenommen.

Unter erheblicher Geldnot wurden die Gebäude ausgebaut. Der erste Abiturjahrgang verließ 1957 die Schule.

1968 wurde der Saalbau eingeweiht, der als Fest- und gleichzeitig als Turnsaal genutzt wurde.

1976 erfolgte die Grundsteinlegung für den Turnhallenbau, der komplett über Eltern und Freunde der Schule finanziert wurde und im Mai 1978 eingeweiht wurde.

Die Grundsteinlegung für den I. Bauabschnitt des Hauptgebäudes erfolgte im August 1977. Im ersten Bauabschnitt wurden 8 Klassen, 4 Gruppenräume, Fachunterrichtsräume, Küche und 2 Speiseräume errichtet. Im II. Bauabschnitt wurden 1980 das Lehrerzimmer, Besprechungszimmer und Konferenzraum, Zeichensaal, Handarbeitsräume, Musiksaal und der Eurythmiesaal gebaut.

Der Waldbau wurde am 4. November 2004 begonnen und konnte wegen eines langwierigen Streits mit vier angrenzenden Nachbarn erst im Sommer 2009 eingeweiht werden. Im Waldbau sind 3 Hortgruppen, 5 Klassenräume, 2 Mal- und Zeichenateliers und im Souterrain 3 Arbeitsräume für den Abiturjahrgang untergebracht.