I-Punkt digital

In der Ausgabe Nummer 38-2019 (Dezember) war zu lesen ...

 

Liebe Leserinnen und Leser,

das Foto auf dieser Seite weckt Träume: den Traum vom Fliegen, die Sehnsucht nach blauem Himmel und die Erinnerung daran, dass in den vergangenen Sommermonaten die Luft so warm war, dass ein Drachenflieger sich ihr anvertrauen konnte. Jetzt hat die Sonne sich zurückgezogen, aber wir wissen, dass sie bald wieder an Kraft gewinnt; so dass die Gleitschirme sogar Berge überwinden können. Lesen Sie den Bericht eines mutigen Fliegers auf Seite eins dieses Newsletters.

Das große, bunte Fest für „Waldorf 100“ spielte sich auch in der wärmeren Jahreszeit ab. Die großartige Feier im Tempodrom am 19.9.2019 wird im Innern dieses Heftes beschrieben und irgendwie sind Fliegen und Schweben sehr daran beteiligt: Ein Staffelstab flog von Schule zu Schule, bis er in Berlin landete. Aus fast allen Weltteilen flogen die Teilnehmer des Waldorffestes herbei und im Tempodrom schwebten Leuchtkugeln auf einem riesigen Globus. Nach dem zarten Beginn der Waldorfschule 1919 in Stuttgart und 1923 in Berlin hat sich die Bewegung rasant ausgebreitet – und es waren Flugzeuge, die die Reise ermöglichten.

Die Rudolf Steiner Schule Berlin hat diese Reiselust im Bewusstsein gehabt, als sie einen "Internationalen Pädagogenaustausch" ins Leben rief. Interessierte Lehrer und Erzieher können mit einem Partner tauschen, so dass auf diese Weise Pädagogen aus fernen Ländern unsere Schule kennen lernen, während ein Berliner Kollege staunend erfährt, wie Waldorfpädagogik außerhalb Deutschlands umgesetzt wird, z.B. im Dakota-Indianer-Reservat in den USA, in Sekem in Ägypten oder auch in Kalifornien. So zeigen die Ereignisse um Waldorf 100, dass Waldorf heute eine bunte, weltumspannende Pädagogik geworden ist. Doch das war nicht immer so unbefangen möglich.

Edith Fraenkel hätte vielleicht auch gern ferne Länder kennengelernt. Aber sie war als Jüdin in Nazi-Deutschland ihrer Freiheit beraubt. Ihre einzige Reise ging von Berlin nach Theresienstadt und von da nach Auschwitz in den Tod. Am 23. Oktober wurden Stolpersteine zur Erinnerung an ihr Schicksal für sie und ihre Mutter verlegt: Lesen Sie den Bericht über die Feierstunde auf der letzten Seite.

Wenn Sie diesen Newsletter in den Händen halten, werden die Nächte fast unmerklich kürzer und das Licht kehrt zurück. Ich wünsche Ihnen ein glückliches, gesundes neues Jahr.

 

Ihre Gisela Schuster